Arbeitsgemeinschaft für Heimatgeschichte Feuchtwangen
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KARLSTAG am 2. Februar 2003


FEUCHTWANGEN (wu) - Die von Fritz Wünschenmeyer seinerzeit angeregte Wiedereinführung des Gedenktages der Chorherren des Stiftes Feuchtwangen an Kaiser Karl den Großen - anlässlich des Todestages des sagenhaften Gründers des ehemaligen Benediktinerklosters Feuchtwangen - hat für die Stadt einen nunmehr weiteren traditionellen Festtag im Jahr, den Karlstag, geschaffen.



Die Arbeitsgemeinschaft für Heimatgeschichte im Verein für Volkskunst und Volkskunde konnte an diesem Karlstag eine unerwartet hohe Besucherzahl begrüßen, erwartete die Zuhörer doch ein heute brandaktuelles Limesthema über die römische Armee am Hesselberg.

Mit einer "generalstabsmäßigen Ausarbeitung" seines Vortrages überraschte Hans Dieter Deinhardt die Besucher und ließ mit reichlichem Bildmaterial das Leben der Auxilia - kasernierte Hilfstruppen der Römer - lebendig werden. An Hand des Beispiels bei Marktbreit und des Kastells Zugmantel verbildlichte er die Situation des zu erwartenden Forschungsergebnisses im Kastell bei Ruffenhofen. In gekonnter Manier zeigte er Ausbildung, Rüstung, Gliederung und das Leben der hier eingesetzten Hilfstruppen. Dank der Ausgrabungen der Reichslimeskommission, den Bildern aus der Luft, sowie magnetischer Prospektion, die noch nicht abgeschlossen sei, sei vieles über die militärische und zivile römische Präsenz entlang des Limes bekannt..

Deinhardt demonstrierte das mögliche Aussehen des Kastells Ruffenhofen, im Grund eine befestigte Kaserne, und einer benachbarten Zivilbesiedlung. Die Lebensgrundlage der handelstreibenden Zivilbevölkerung bildete der Sold der Soldaten. Sei eine Einheit versetzt oder abkommandiert worden, so sei das Einkommen der Siedler zusammengebrochen. In der Regel sei diese Siedlung dann verlassen worden. Die Hilfstruppen seien, unter Kommando römischer Offiziere, für den Kontroll- und Wachdienst, im Vormarsch für die Aufklärung und Abwehr eingesetzt worden.

Der Referent schilderte genau Kleidung, Waffen, Ausrüstung und Marschgepäck (zusammen 47,9 Kilogramm Gewicht) der Soldaten und erläuterte deren Bewaffnung. Um den Hesselberg seien bisher lediglich Geschosse aus Stein oder Ton aufgefunden worden.

Die Hilfstruppen hätten nach meist 25 Dienstjahren das römische Bürgerrecht und das Recht der Eheschließung verliehen bekommen können. Das Bürgerrecht habe auch für die Kinder und Nachkommen gegolten. Deinhardt verwies auf die römische Militärbürokratie.

Über die Soldaten sei genau Buch geführt worden. Diese Unterlagen seien dem Büro des Provinzhalters zugestellt, dort gesammelt und nach Rom weitergeleitet worden. Dort habe man sich Zeit gelassen und dann nach Überprüfung über die Entlassung des Soldaten entschieden.

Die Hilfstruppen waren wie die Legionen militärisch streng gegliedert und aufgebaut, reine Infanterieeinheiten, die Cohorte, eine ausschließlich berittene Einheit, die Ala, sowie ein Mischverband. Nach den neuesten Forschungsergebnissen versuchte Deinhardt die Unterbringung einer solchen Truppe im Kastell bei Ruffenhofen darzulegen. Dieses Kastell bedeckt mit seinen Seitenlängen von 196 auf 190 Meter eine Fläche von etwa 3,76 Hektar. Vom Kastell Ruffenhofen führten mindestens zwei  Hauptstraßen ins Hinterland. Diese Verkehrswege waren teilweise sehr massiv bestaltet, wie die Notgrabung 1999 zeigte. Entlang dieser Verkehrswege seien häufig so genannte Streifenhäuser erstellt worden.

Feuchtwangen lag im Vorfeld des Limesgrenzwalles und sei vermutlich lediglich durch einen kleinen Grenzverkehr oder durch Aufklärungspatrouillen von den Hilfstruppen berührt worden, so dass in unserem Raum kaum Hinterlassenschaften dieser aufzufinden seien.


FLZ Nr. 28 Dienstag, 4. Februar 2003 zum Karlstag der Arbeitsgemeinschaft für Heimatgeschichte am 02.02.2003 im Gasthof "Lamm" in Feuchtwangen zum Vortrag von Hans-Dieter Deinhardt, Feuchtwangen