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Feuchtwangen in alten Ansichten
 

zusammaengestellt von Fritz Karg
Texte: Karl Wirth

Dritte Auflage


Europäische Bibliothek - Zaltbommel/Niederlande MCMLXXXVII

D ISBN 90 288 4598 4 / CIP

c 1976 Europäische Bibliothek - Zaltbommel/Niederlande

Im Verlag Europäische Bibliothek in Zaltbommel/Niederlande erscheint unter anderem die nachfolgende Reihe:

IN ALTEN ANSICHTEN, eine Buchreihe in der festgehalten wird, wie eine bestimmte Gemeinde zu 'Großvaters Zeiten', das heißt in der Zeit zwischen 1880 und 1930, aussah. In dieser Reihe sind bisher in etwa 650 Einzelbänden Gemeinden und Städte in der Bundesrepublik dargestellt worden. Es ist geplant, diese Reihe fortzusetzen. Unter dem Titel In oude Ansichten sind bisher etwa 1 500 Bände über Städte und Dörfer in den Niederlanden erschienen. In Belgien ist die Buchreihe mit In oude prentkaarten bzw. En cartes postales anciennes betitelt und umfaßt 400 Bände. In Österreich und in der Schweiz sind unter dem Titel In alten Ansichten bisher 100 bzw. 25 Bände erschienen. Weitere 150 Bände beschreiben Gemeinden und Städte in Frankreich, und zwar in der Buchreihe En cartes postales anciennes. In Großbritannien sind bisher 300 Bände unter dem Titel In old picture postcards herausgebracht.

KENNT IHR SIE NOCH ... eine Buchreihe in der festgelegt wird wie die Leute-von-damals in einer bestimmten Gemeinde oder Stadt zu 'Großvaters Zeiten' lebten, lernten, wohnten, arbeiteten, feierten, Musik machten und so weiter.

Näheres über die erschienenen und geplanten Bände der verschiedenen Buchreihen erhalten Sie bei Ihrem Buchhändler oder direkt beim Verlag.
 


Feuchtwangen - vom karolingischen Königshof zum anerkannten Erholungsort.

Das Feuchtwanger Land gehört zur Frankenhöhe, einem waldreichen Mittelgebirge an der Grenze zwischen Franken und Schwaben. Die Stadt selbst ist eingebettet im Tal der Sulzach, die sich als stilles Flüßchen durch eine liebliche Wiesenlandschaft windet. Der Bahnhof liegt 450 Meter über Normalnull, während das Neubaugebiet auf dem Kronenwirtsberg die 500-Meter-Höhenlinie überschreitet.

Als sich - nach der Feuchtwanger Gründungssage - Karl der Große im Sulzachgrund bei der Jagd verirrte, fand er im Urwald weder Weg noch Steg. Die Wirklichkeit aber mag anders ausgesehen haben: Von Süden nach Norden zog damals schon eine Altstraße, auf der später der Levantehandel von Venedig über Augsburg nach Feuchtwangen und weiter gen Norden führte. Die andere Straße verband den Westen mit dem Osten und diente vor allem im hohen Mittelalter dem Stauferreich als eine wichtige Lebensader.

An der Kreuzung dieser Altstraßen bei der Sulzachfurt entstand sicherlich bereits im 8. Jahrhundert ein karolingischer Königshof als militärischer Stützpunkt und als Verwaltungszentrum. Sein Kirchlein dürfte die Keimzelle für jenes Reichskloster gewesen sein, das 817 urkundlich als 'Kloster Fiuhtwang' genannt wurde.

Die günstige Verkehrslage Feuchtwangens bestimmte seine Entwicklung. Das Kloster baute sich im 12. Jahrhundert eine neue Kirche und einen bis heute erhaltenen Kreuzgang im romanischen Stil. Die Siedlung erhielt Stadtrecht und wurde in der Stauferzeit Freie Reichsstadt. Siegfried von Feuchtwangen führte den Namen der Stadt in die deutsche Geschichte ein: Als Hochmeister der Deutschherrenritter verlegte er 1309 den Sitz des Ordens von Venedig auf die Marienburg in Ostpreußen und gab ihm damit ein neues Arbeitsfeld.

Auch als die Stadt 1376 ihre Reichsfreiheit verlor und markgräfliche Amtsstadt wurde, sicherte ihr die Verkehrslage immer noch eine entsprechende Bedeutung. 1395 wurde mit dem Bau der Stadtbefestigung begonnen. Drei Tore ließen die Welt herein und hinaus. Die Chorherren schmeckten ihre Stiftskirche mit bedeutenden Kunstwerken aus Franken und Schwaben. Auch die Wissenschaft fand hier Pflegestätten. So wurde Feuchtwangen - wenn auch nur für kurze Zeit Universitätsstadt; eine Lateinschule unterrichtete zahlreiche Schülergenerationen bis 1914. Jahrhunderte formten den Marktplatz zum 'Festsaal Frankens'. Heute noch lassen hier in enger Nachbarschaft sechs Gasthäuser die einstige Bedeutung des Feuchtwanger Handels und Verkehrs ermessen. Eines davon trug mit Recht den Namen 'Fürstenherberge'. Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein stiegen in der 'Post', wie der Gasthof nach 1731 hieß, Kaiser, Könige und Künstler ab.

Wenn man heute fragt, wo Feuchtwangen liegt, so lautet die Antwort immer noch: 'An der Kreuzung der beiden großen Straßen', wobei allerdings der alte Handelsweg jetzt 'Romantische Straße' heißt und die Ost-West-Achse ihre Bedeutung als 'Europastraße 12' erkennen läßt (Autobahn Nürnberg - Heilbronn). Die touristischen Schaufenster Dinkelsbühl und Rothenburg liegen ganz in der Nähe. Viele Urlauber aber suchen einen anerkannten Erholungsort, der neben Wanderungen in reiner Waldluft auch Anregungen kultureller Art bietet. In Feuchtwangen vermögen das die Kreuzgangspiele, die Werke der Weltliteratur auffahren, oder das Heimatmuseum, das als eines der besten Süddeutschlands gilt. Und noch eines: In den versteckten Gassen und Plätzen unserer Stadt ist heute noch etwas von der Beschaulichkeit und der inneren Ruhe zu spüren, wie sie vielfach die Bilder in dem vorliegenden Bändchen ausstrahlen.

Wir haben die vergilbten Fotos der Zeit zwischen 1880 und 1930 nach verschiedenen Themenkreisen geordnet. (Die zeitliche Begrenzung wünschte der Verlag!) Zunächst ein Rundgang durch Feuchtwangen: Vom Taubenbrünnlein als dem sagenhaften Ursprung der Stadt fährt der Weg zum Kreuzgang und zu den Kirchen, über den Marktplatz und hinein in alte Gassen und Winkel. Von Toren und Mauern können nur wenige Bilder gezeigt werden. Dafür aber gab es damals bereits ein Feuchtwangen jenseits des Mauerringes zwischen Sulzachgrund und Königshöhe. Mit dem Thema 'Feste und Geselligkeit' beschließen wir die Bilderreihe.

Und nun mag jeder Bürger und jeder Besucher der Kreuzgangstadt mit der Gegenwart vergleichen. Sicherlich wird er überrascht sein, wie sich Feuchtwangen in den letzten hundert Jahren entwickelt hat ohne dabei sein Gesicht zu verlieren und ohne sein Wesen als das einer ehrlichen, freundlichen Kleinstadt einzubüßen.

Allen, die Material für diesen Bildband zur Verfügung stellten, sei an dieser Stelle herzlich gedankt.


Erstellt am 4.5..1999 durch Hans Ebert
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